RTK-Technologie im Mähroboter — So funktioniert kabelloses Mähen ohne Begrenzungskabel
RTK steht für Real-Time Kinematic und ist die Satelliten-Positionierungstechnik hinter kabellosen Mährobotern wie dem Segway Navimow. Statt eines physischen Begrenzungskabels hält RTK den Roboter auf ±2,5 cm genau innerhalb einer digital eingemessenen Grenze. Das macht eine Installationszeit von 30 bis 60 Minuten möglich — verglichen mit 4 bis 8 Stunden bei klassischen Kabel-Systemen.
Was ist RTK? — Die Grundlage erklärt
Standard-GPS, wie es jedes Smartphone nutzt, arbeitet mit einer Ungenauigkeit von ±3 bis 5 Metern. Für Navigation im Straßenverkehr reicht das. Für einen Mähroboter, der millimetergenau an der Rasenkante entlangfahren soll, ist es unbrauchbar. RTK löst dieses Problem durch Differenz-Messung: Eine Referenzstation mit bekannter Position empfängt dieselben Satellitensignale wie das Endgerät und berechnet die aktuelle Signalabweichung. Diese Korrekturdaten sendet sie in Echtzeit an den Roboter — daher “Real-Time”. Das Ergebnis ist eine Positionsgenauigkeit von ±2,5 cm, die auch bei wechselnden Atmosphärenbedingungen stabil bleibt.
nRTK: RTK ohne eigene Basisstation
Klassisches RTK erfordert eine eigene Referenzstation auf dem Grundstück — ein Aufwand, der für Privatkunden nicht praktikabel ist. Network RTK (nRTK) löst das, indem das Gerät über Mobilfunk auf ein nationales Netz von Referenzstationen zugreift. In Deutschland ist das das SAPOS-Netz (Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landesvermessung) mit mehreren hundert Stationen. Die Navimow H- und X-Serie nutzt nRTK: Der Roboter verbindet sich automatisch mit der nächstgelegenen Referenzstation und berechnet daraus seine Korrekturdaten. Der Kunde muss keine Hardware anschaffen oder konfigurieren — der Dienst läuft im Hintergrund.
Wie RTK das Kabel ersetzt
Die Einrichtung eines Navimow mit nRTK läuft in vier Schritten ab. Zunächst wird der Roboter per App einmalig um die Rasenfläche geführt — dabei zeichnet nRTK jeden Punkt der Grenzlinie mit ±2,5 cm Präzision auf. Aus diesen Punkten erstellt die App eine digitale Karte der Mähfläche inklusive Ausschlusszone. Im Betrieb vergleicht der Roboter seine aktuelle nRTK-Position ununterbrochen mit dieser Karte. Nähert er sich der gespeicherten Grenze auf unter 20 cm, dreht er automatisch ab — ohne Kabel, nur auf Basis der Satelliten-Position.
RTK vs. klassisches GPS — Die Genauigkeits-Tabelle
| System | Genauigkeit | Kabel nötig | Installationszeit | Typische Kosten (Gerät) |
|---|---|---|---|---|
| Kabel-Roboter (z.B. Husqvarna Automower 430X) | ±50–100 cm (Kabel gibt Grenze vor) | Ja | 4–8 Stunden | ab ~3.200 € |
| GPS-assistiert (z.B. STIHL iMOW RMI 632 PC) | ±3–5 m (GPS nur zur Orientierung) | Ja | 3–6 Stunden | ab ~2.500 € |
| RTK (Navimow i-Serie) | ±2,5 cm | Nein | 30–60 Minuten | ab ~599 € (i108E) |
| nRTK (Navimow H- und X-Serie) | ±2,5 cm, netzwerk-gestützt | Nein | 30–60 Minuten | ab ~1.299 € (H206E) |
Kabel-basierte Systeme definieren die Grenze physisch und verlässlich — zahlen das aber mit stundenlangem Installationsaufwand. nRTK-Modelle wie der Navimow H210E oder X390E erreichen dieselbe Grenzpräzision digital, ohne dass eine einzige Kabeltrommel ausgerollt wird.
LiDAR: Hinderniserkennung in Echtzeit
RTK löst die Frage, wo sich der Roboter befindet. LiDAR löst die Frage, was sich vor ihm befindet. Light Detection and Range sendet tausende unsichtbare Lichtpulse pro Sekunde in alle Richtungen und misst deren Laufzeit. Aus diesen Laufzeiten berechnet das System ein dreidimensionales Bild der Umgebung mit einer Reaktionszeit im Millisekunden-Bereich. Die Navimow H- und X-Modelle (ab H206E) erkennen damit Kinder, Haustiere, Gartenmöbel und herabgefallene Äste — auch bei Dämmerung oder Nachtbetrieb, unabhängig von Kameralicht. Der Roboter stoppt oder weicht aus, bevor Kontakt entsteht.
Grenzen der RTK-Technologie
RTK ist keine universelle Lösung ohne Einschränkungen. In tiefen Einschnitten, unter dichten Überdachungen oder in Gärten, die auf drei Seiten von hohen Gebäuden umschlossen sind, kann der Satellitenempfang so weit abfallen, dass die RTK-Korrekturrechnung instabil wird. Das Gerät hält dann automatisch an und wartet auf erneuten Signalempfang. Stark bebaute Innenstadtlagen können auch das nRTK-Mobilfunksignal zum nächsten SAPOS-Knoten stören. Wasserläufe, Mauern oder Treppenstufen innerhalb der Mähfläche sind physische Barrieren, die RTK nicht überbrückt — sie müssen bei der Ersteinmessung als Ausschlusszonen markiert werden. Wer diese Rahmenbedingungen kennt, kann realistisch einschätzen, ob RTK für seinen Garten geeignet ist.
Häufige Fragen zur RTK-Technologie
Wie genau arbeitet RTK im Mähroboter?
RTK liefert eine Positionsgenauigkeit von ±2,5 cm, indem Echtzeit-Korrektursignale einer Referenzstation die Satelliten-Rohdaten präzisieren. Das ist rund 100-mal genauer als Standard-GPS mit ±3–5 m.
Brauche ich eine eigene Basisstation für den Navimow?
Nein. Die Navimow H- und X-Serie nutzt nRTK und greift über Mobilfunk auf das öffentliche SAPOS-Referenznetz zu. Eine eigene Basisstation ist weder erforderlich noch im Lieferumfang enthalten.
Funktioniert RTK auch bei bewölktem Himmel?
Ja. Satellitensignale durchdringen Wolken und Regen ohne nennenswerte Abschwächung. Einschränkungen entstehen nur bei physischer Abschirmung des Empfängers, etwa unter einem Metalldach oder in tiefen Geländeeinschnitten.
Was passiert, wenn das RTK-Signal ausfällt?
Verliert der Navimow das RTK-Signal, stoppt er automatisch an seiner aktuellen Position und sendet eine App-Benachrichtigung. Er fährt erst weiter, wenn das Signal wiederhergestellt ist — er überfährt die Grenze nie auf Basis eines geschätzten Standorts.
Kann der Mähroboter Stufen oder Absätze erkennen?
LiDAR-Modelle der H- und X-Serie erkennen vertikale Hindernisse ab wenigen Zentimetern Höhe und stoppen davor. Stufen werden damit als Hindernis erkannt; für mehrstufige Gärten empfiehlt sich jedoch die manuelle Zonentrennung bei der Ersteinmessung.
Welche Navimow-Modelle nutzen nRTK?
Alle Modelle der H-Serie (H206E, H210E, H215E, H230E) und X-Serie (X315E, X330E, X350E, X390E, X420E AWD, X430E AWD, X450E AWD) sowie die Terranox-Gewerbemodelle nutzen nRTK. Die i-Serie (i108E, i210E AWD) arbeitet mit GNSS ohne nRTK-Netzwerk-Korrektur.
